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Aktion aus England

Warum man den Rasen im Mai lieber nicht mähen sollte

Viele holen im Mai den Rasenmäher aus dem Schuppen. Allerdings gibt es gute Gründe, ihn noch etwas warten zu lassen.
Viele holen im Mai den Rasenmäher aus dem Schuppen. Allerdings gibt es gute Gründe, ihn noch etwas warten zu lassen. Foto: Getty Images
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4. Mai 2026, 13:14 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Rasenmähen gilt für viele als fester Teil der Gartenarbeit – ähnlich wie Gießen oder Unkraut entfernen. Doch im Mai empfiehlt es sich, genau darauf zu verzichten. Denn das bewusste „Nichtstun“ schafft wertvolle Rückzugsorte für Tiere und Pflanzen und lässt eine überraschend vielfältige Natur entstehen.

Die Aktion „Mähfreier Mai“ ruft dazu auf, den Rasen in diesem Monat nicht zu schneiden, damit Wildblumen wachsen und Insekten Lebensraum finden. Ursprünglich aus Großbritannien stammend, wird die Initiative seit 2021 auch in Deutschland unterstützt. myHOMEBOOK erklärt die Hintergründe.

Warum sollte man im Mai auf das Rasenmähen verzichten?

Mit dem „Mähfreien Mai“ soll ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass der sorgsam gestutzte Rasen ökologisch Nachteile mit sich bringt. Die Initiative, die aus Großbritannien stammt, motiviert dazu, den Rasen vier Wochen lang wachsen zu lassen – auch zugunsten der Artenvielfalt. Inzwischen unterstützen auch in Deutschland viele Verbände und Naturschutzorganisationen diese Aktion.

„Mähfreier Mai“ – Lebensraum statt Zierrasen

„Gut 75 Prozent der Haushalte in Deutschland haben einen Garten und
nicht selten macht der Rasen einen großen Teil dieser Fläche aus“, erklärt die Gartenakademie Rheinland-Pfalz. Allerdings hat ein gepflegter Rasen auch Nachteile. „Ein perfekt gepflegter Rasen bietet Insekten kaum Futter und Nistmöglichkeiten“, weiß Bettina de la Chevallerie, Geschäftsführerin der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 (DGG-1822). „Untersuchungen haben gezeigt, dass sich der Anteil an nektarreichen Blüten um ein Zehnfaches erhöht, wenn man den Rasenmäher häufiger stehen lässt.“

Was wächst, wenn man wachsen lässt?

„Als Erstes natürlich Schnellstarter wie Gänseblümchen, Gundermann, Ehrenpreis, Klee und Löwenzahn“, antwortet de la Chevallerie. Aber auch Margeriten und Schlüsselblumen würden zum Vorschein kommen.

„Gänseblümchen, Klee und Löwenzahn sind oft als Unkraut verpönt“, erklärt die Expertin. Sie verwendet lieber den Begriff „Wildkraut“ und betont den hohen ökologischen Wert für die Insekten. „Je mehr wir über diese Pflanzen wissen, desto mehr wächst auch die Akzeptanz. Das ist alles eine Frage des Bewusstseins.“

Passend dazu: Insektenfreundlich Gärtnern – Experte gibt wertvolle Tipps

Unordnung als Gestaltungselement im Garten

Nicht jeder schätzt einen ungemähten Rasen auf Anhieb. Doch laut de la Chevallerie muss Wildwuchs nicht gleich Unordnung bedeuten: „Auch eine vermeintliche Unordnung kann durch Gestaltung ordentlich wirken. Man muss ja nicht den gesamten Rasen mähen, sondern kann Stellen mit unterschiedlichen Höhen stehen lassen – an den Ecken, am Rand oder mittendrin als Insel.“ Auch ein gemähter Weg durch das hohe Gras könne Ordnung schaffen. Und wiesenähnliche Säume, die man nur einmal im Jahr mäht, würden als „Puppenstube für Schmetterlinge“ dienen.

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Was der Mensch vom „Mähfreien Mai“ hat

Die Idee des „Mähfreien Mai“ hat nicht nur ökologische Vorteile – auch Gartenfreunde können davon profitieren. „Wir können uns entspannt in den Liegestuhl legen, den Garten genießen und ihn ganz anders wahrnehmen. Wir können Falter beobachten, neue Pflanzen entdecken und sie per App bestimmen – oder uns einfach darüber freuen, dass sie da sind.“

Das bestätigt auch die Gartenakademie Rheinland-Pfalz: „Somit kann man durch gezieltes Nichtstun etwas für die Insekten erreichen.“ Die Initiative lädt damit zu einem Perspektivwechsel ein – weg vom sterilen Rasen hin zu einem lebendigen Stück Natur vor der eigenen Haustür.

Es gibt nicht nur positive Stimmen

Rasenprofi Dr. Harald Nonn von der Deutschen Rasengesellschaft ist nicht unbedingt ein Befürworter der Aktion. Im Gespräch mit myHOMEBOOK erklärt er die Nachteile, wenn man einen ganzen Monat seinen Rasen nicht mäht: „Wenn ich den Rasen nicht mähe, dann wächst er in den vier Wochen 12 bis 13, mitunter sogar 15 Zentimeter“, erklärt er. Läuft man dann über den Rasen, würde man ihn platttreten. „Die Gräser werden dadurch schneller geschädigt. Sie können nicht mehr richtig Photosynthese betreiben.“ Außerdem würden sich die Gräser durch das hohe Blattwerk gegenseitig beschatten. Unten wird man dann relativ viel gelbes Material bekommen. „Wenn man im Juni wieder mäht, hat man anstelle eines grünen Rasens eine relativ gelbliche Stängelwüste“, erörtert der Fachmann. Wenn man den Rasen nutzen möchte und betritt, sei es keine gute Empfehlung, ihn im Mai nicht zu mähen.

Mit Material der dpa

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