Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de
Baumarktpartner
von myHOMEBOOK

Nachgefragt bei der Feuerwehr

Wie gefährlich sind Photovoltaikanlagen bei einem Hausbrand?

Feuerwehr löscht Haus mit Photovoltaikanlage
Es kursiert ein Gerücht, dass die Feuerwehr nicht kommen würde, wenn eine Photovoltaik–Anlage auf dem Dach brennt. Was steckt dahinter?Foto: IMAGO / Becker&Bredel

Nachhaltigkeit wird in der heutigen Zeit großgeschrieben, Energiesparen sowieso. Strom ist so teuer wie schon lange nicht mehr. Glücklich schätzen sich diejenigen, die eine Photovoltaikanlagen auf dem Dach installiert haben. Doch was passiert, wenn der Dachstuhl brennt? Hat man dadurch Nachteile?

Seit es Photovoltaikanlagen auf Dächern gibt, hält sich das Gerücht hartnäckig, dass die Feuerwehr das Haus nicht löschen wird. Doch stimmt das wirklich? Wie verhält man sich, wenn es auf dem Dach brennt und man Solarmodule hat? myHOMEBOOK hat sich schlau gemacht und bei der Feuerwehr nachgefragt.

Sind Brände an Photovoltaikanlagen schwieriger zu löschen?

Mit Einführung von Photovoltaikanlagen haben sich die Spielregeln für die Feuerwehr deutlich verschärft. Brandlöscher kommen gar in manchen Fällen nicht mehr ohne Weiteres an den Brandherd heran. Das erklärt Carsten-Michael Pix vom Deutschen Feuerwehrverband gegenüber myHOMEBOOK: „Natürlich ist es so, dass eine Solaranlage das Löschen nicht erleichtert. Ich habe etwas auf dem Dach drauf, was mir den Zugang natürlich erschwert. Und wenn ich das Feuer suche, dann habe ich da erst einmal etwas, was ich entfernen muss, aber es ist nicht unmöglich“.

Photovoltaikanlagen müssen aber nicht immer bei einem Brand entfernt werden, nur wenn sich das Feuer in unmittelbarer Nähe befindet. Der Deutsche Feuerwehrverband hat extra eine Broschüre für Feuerwehrleute herausgegeben. In ihr befinden sich viele sachdienliche Hinweise, wie man sich bei einem Brand im Zusammenhang mit Photovoltaikanlagen verhalten sollte.

Dazu passend: Gesetzesänderung bei Photovoltaik-Anlagen! Mehr Geld für Volleinspeiser

Löscht die Feuerwehr wirklich nicht, wenn ein Dach mit Photovoltaikanlage brennt?

Ganz klar handelt es sich um ein Gerücht. Die Feuerwehr muss bei jedem Brand individuell entscheiden, wie sie vorgeht, dabei ist es zweitrangig, ob eine Photovoltaik–Anlage im Spiel ist. „Es ist völliger Blödsinn, die Feuerwehr wird immer helfen“, sagt Carsten-Michael Pix. „Natürlich, wenn es sich, in Anführungszeichen, auch lohnt.“ Handelt es sich etwa um eine Scheune mit aufgebauter Photovoltaik-Anlage, die „in voller Ausdehnung“ brennt, wie es im Feuerwehr-Jargon heißt, kann es sein, dass die Feuerwehr zunächst nicht löscht. Im Zweifel würde die Feuerwehr laut Pix zunächst bestimmte Teile abbrennen lassen. „Aber das hat nichts mit der Photovoltaik–Anlage zu tun, sondern ist immer eine individuelle Entscheidung“, erklärt der Sprecher.

Auch interessant: Wussten Sie, dass man bei Ikea auch Solaranlagen kaufen kann?

Woher kommt das Gerücht, dass die Feuerwehr nicht löscht?

Das Gerücht, dass die Feuerwehr nicht löscht, wenn eine Photovoltaikanlage im Spiel ist, hält sich seit Jahren hartnäckig. Vor über zehn Jahren gab es einen Vorfall, auf diesen das Gerücht zurückzuführen sein könnte. Pix kennt den Fall: „Mir ist ein Einsatz irgendwo in Ostfriesland bekannt, da war das Thema ganz jung und frisch. Die Feuerwehr wusste nicht so richtig, was sie tun sollte und letztendlich sind sehr unglückliche Bilder zustande gekommen.“ Dabei habe die Feuerwehr, die laut Pix überfordert und hilflos war, das Gebäude wohl abbrennen lassen.

Können Photovoltaikanlagen verantwortlich für einen Brand sein?

Jein. Solarmodule sind zwar aus verschiedenen Materialien hergestellt, können jedoch meist nur schmoren. Auch die Kabel, an denen die Paneele befestigt sind, können in der Regel kein Brandverursacher sein. Wie alle anderen Kabel sind auch diese mit Plastik ummantelt. „Aber richtig brennen, was man gemeinhin unter Feuer versteht, können die Teile nicht“, entwarnt Pix. Außerdem sind Dachziegel, an denen Solarmodule befestigt sind, nie brennbar.

Muss man die Feuerwehr beim Notruf über eine vorhandene PV–Anlage informieren?

Nein. Alles kann, nichts muss. Wenn man einen Notruf absetzt, sollte man alles erwähnen, was einem in diesem Moment wichtig erscheint. Die Feuerwehr macht sich vor Ort ein eigenes Bild von der Situation, erklärt Pix: „Der erste Feuerwehrmann oder die erste Feuerwehrfrau, die da ist, macht immer eine Erkundung.“ Dabei geht es um die Fragen, ob Leute in Gefahr sind, was brennt, wo es brennt und ob man etwas Spezielles wissen muss, etwa ob sich Gasflaschen in einer Werkstatt befinden oder ob es eben Solarpaneele gibt. Auch wenn die Feuerwehr jemanden auf Erkundungstour schickt, kann es nie verkehrt sein, sie über eventuell schlecht sichtbare Solarmodule aufzuklären, beispielsweise bei einem sehr hohen Haus.  

Kann man als Photovoltaikanlagen–Besitzer einem Brand vorbeugen?

Generell vorbeugen kann man einem Brand nicht. Ob etwa ein Blitz einschlägt, kann man nicht beeinflussen. Allerdings können Besitzer eine essenzielle Sache tun, bittet Pix, und zwar „dass nach dem Stand der Technik installiert wird, also dass gute Handwerker kommen und nicht welche, die das erst seit drei Monaten machen.“ Firmen vergleichen ist also auf jeden Fall angebracht, und gerade in diesem Punkt sollte man nicht unbedingt aufs Geld schauen.

Braucht man als Besitzer einer Photovoltaikanlagen eine spezielle Versicherung?

Versicherungen gibt es für alle Lebenslagen. Manch eine braucht man zwingend, andere wiederum hat man nur, um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein. Eine spezielle Versicherung für Photovoltaikanlagen braucht man nicht. Allerdings sollte man unbedingt Rücksprache mit der Versicherung halten, meint Pix: „Es gibt so viele unterschiedliche Konstellationen. Über Jahrzehnte hinweg wurde eine Versicherung vielleicht abgeschlossen, als Photovoltaikanlagen noch nicht mal erfunden waren. Mit der Versicherung sprechen, ist in jedem Fall richtig“. Vorsicht ist auch in diesem Fall besser als Nachsicht.

Deine Datensicherheit bei der Nutzung der Teilen-Funktion
Um diesen Artikel oder andere Inhalte über Soziale-Netzwerke zu teilen, brauchen wir deine Zustimmung für