8. September 2026, 6:49 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Wer sich alte Cafés, Ferienhäuser oder Biergärten anschaut, wird den gewellten Stoffstreifen am unteren Rand von Markisen fast überall entdecken. Während moderne Häuser heute oft auf geradlinige Designs setzen, hängen die verspielten Wellen vielerorts weiterhin über Terrassen und Balkonen. Doch warum gibt es sie überhaupt? Und erfüllen sie tatsächlich einen Zweck oder sind sie bloß ein Relikt vergangener Jahrzehnte?
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Die Wellen haben sogar einen eigenen Namen
Was viele als „Lamellen“, „Fransen“ oder einfach als gewellten Stoffrand bezeichnen, heißt fachlich eigentlich „Volant“. Das erklärt Nico Springer, vom Bundesverband für Rollladen und Sonnenschutz (BVRS). Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Bereich der Raumausstattung und bezeichnet eine dekorative Stoffschürze.
Ursprünglich hatten Volants einen praktischen Nutzen
Auch wenn die auffällige Form heute oft als nostalgisch oder altmodisch wahrgenommen wird, hatte der Volant ursprünglich durchaus einen praktischen Zweck. „Der Volant dient in erster Linie als zusätzlicher Blendschutz bei tief stehender Sonne und als Sichtschutz auf die mechanischen Bauteile der Markise“, erklärt Springer.
Gerade am Abend, wenn die Sonne flach steht, kann der zusätzliche Stoffstreifen verhindern, dass Sonnenstrahlen unter der Markise hindurch direkt in die Augen scheinen. Gleichzeitig verdeckt er Teile der Konstruktion und sorgt dadurch für ein aufgeräumteres Erscheinungsbild.
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Die Wellenform ist vor allem Geschmackssache
Doch warum wurde ausgerechnet die charakteristische Wellenform so beliebt? Einen entscheidenden technischen Vorteil bietet sie laut Springer nicht. „In erster Linie ist die Wellenform ein gestalterisches Element“, sagt er. Sie stehe für eine klassische und traditionelle Optik, während gerade Abschlüsse dezenter und moderner wirken.
Einen kleinen praktischen Nebeneffekt gibt es dennoch, dadurch dass die geschwungene Form leichte Verschmutzungen oder Gebrauchsspuren verdecken kann. Beispielsweise fallen diese bei Windbewegungen optisch weniger auf.
Seit den 1960er-Jahren weit verbreitet
Besonders populär wurden die gewellten Volants während des Markisen-Booms in den 1960er- und 1970er-Jahren. Damals hielten sogenannte Gelenkarmmarkisen auf vielen Terrassen und Balkonen Einzug. Die Wellenabschlüsse wurden schnell zum typischen Gestaltungsmerkmal dieser Zeit und prägen das Bild vieler Außenbereiche bis heute.
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Warum Volants noch immer an vielen Markisen hängen
Trotz klarer Kanten und minimalistischer Architektur sind die klassischen Wellen noch längst nicht verschwunden. Der Grund ist simpel, denn vielen Menschen gefällt der traditionelle Look weiterhin.
„Die meisten Markisenhersteller bieten heute sowohl den geraden als auch den wellenförmigen Schnitt an“, erklärt Springer. Letztlich sei die Entscheidung vor allem eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ähnlich wie Farbe oder Muster der Markise könne auch der Volant gezielt als Gestaltungselement eingesetzt werden.
Wer seine Terrasse modern wirken lassen möchte, greift daher häufig zu geraden Abschlüssen. Für einen klassischeren oder mediterranen Stil bleiben die bekannten Wellen dagegen weiterhin beliebt.
Design mit Funktion
Die charakteristischen Wellen an Markisen sind keineswegs ein Konstruktionsfehler oder ein überholtes Designelement ohne Funktion. Als sogenannte Volants sorgen sie für zusätzlichen Blendschutz und verdecken Teile der Technik. Ihre geschwungene Form dient heute allerdings vor allem der Optik. Dass sie sich bis heute halten, liegt deshalb weniger an ihrer Funktion als daran, dass viele Hausbesitzer ihren nostalgischen Charme schätzen.