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Schäden vermeiden

10 Fehler beim Arbeiten mit dem Hochdruckreiniger

Boden mit Hochdruckreiniger säubern
Mit dem Hochdruckreiniger lassen sich Flächen schnell und effektiv säubern – wenn man ihn richtig verwendetFoto: iStock / matspersson0

Ein Hochdruckreiniger ist ein praktischer Helfer am Haus und im Garten – wenn man weiß, wie man richtig damit umgeht. Denn das Gerät ist kein Spielzeug, bei falscher Herangehensweise kann man nicht nur dem Material schaden. Welche Fehler sollte man tunlichst vermeiden? Und welche weiteren Tipps helfen bei der Anwendung?

Während beim Gartenschlauch ein Druck von rund 4 bar herrscht, sind es beim Hochdruckreiniger zwischen 100 und 150 bar. Führt man sich diesen Unterschied vor Augen, wird einem schnell bewusst, um was für ein mächtiges Gerät es sich dabei handelt. „Nicht nur der Wasserdruck, sondern auch die Wassermenge ist ausschlaggebend“, erklärt Ulrich Opitz, Handwerksmeister und Trainer bei der DIY-Academy. „Einer, der 300 Liter fördert ist nicht so effektiv wie einer, der 700 Liter fördert.“ Wichtig ist jedenfalls ein bewusster und fachlich richtiger Umgang, egal um welchen Hochdruckreiniger es sich handelt. Dann werden auch stark verschmutzte Stellen am Haus wieder sauber, ohne Komplikationen oder gar Verletzungen. Wichtig: Vor dem ersten Einsatz unbedingt die Bedienungsanleitung lesen!

1. Fehler: Auf nützliche Zusatz-Ausrüstung verzichten

Das Herz des Hochdruckreinigers besteht aus einer starken Pumpe, die einen enormen Wasserdruck aufbauen kann. Damit alleine kommt man allerdings nicht weit. Wichtig sind neben dem Motor, Schlauch und Strahlrohr auch die entsprechenden Düsen, die sich je nach Einsatzbereich unterscheiden. Während sich manche Düsen für bestimmte Oberflächen eignen, können sie andere unter Umständen beschädigen.

Besonders wichtig sind dabei neben der standardmäßigen Flachstrahldüse auch Aufsätze für Flächen, die mit Bürsten versehen sind. Für große Terrassenflächen sind diese recht hilfreich. Und wenn es sich um stark verschmutzte Stellen handelt, bekommt man sie mit der Rotationsdüse wieder sauber. Falls diese Düsen nicht inklusive sind, sollte es sie zumindest zusätzlich zu kaufen geben. Die Düsen sollte man regelmäßig kontrollieren. „An der Düsenspitze habe ich einen hohen Druck“, warnt Opitz. „Wenn ein Teil der Düse verstopft ist, kann der Druck schnell von 150 auf 200 bar steigen.“

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2. Fehler: Keine Schutzbrille tragen

Vor dem Einsatz mit dem Hochdruckreiniger sollte man einige Sicherheitsvorkehrungen beachten. „Wasser ist ein sehr aggressives Medium, wenn es unter Druck steht“, erklärt DIY-Experte Opitz. „Es gibt Wasserstrahlgeräte, die schneiden sogar Beton oder Metall. Damit trennen sie innerhalb von Sekunden einen Finger oder eine Hand ab. Das gehört nicht in Kinderhände!“ Das Tragen einer Schutzbrille ist wichtig, da sich schnell Schmutzpartikel oder auch Steinchen lösen können, die einem um die Ohren fliegen. Opitz empfiehlt zudem feste Gummihandschuhe und Gummistiefel. Was oft vergessen wird: Da beim Arbeiten mit dem Hochdruckreiniger auch Aerosole freigesetzt werden, die in die Lunge gelangen können, ist auch eine Atemschutzmaske erforderlich.

Hinweis: Auch wenn es selbstverständlich klingt: Die Düse des Hochdruckreinigers nicht auf sich selbst oder andere richten! Ein Hochdruckreiniger bietet keine willkommene Abkühlung an heißen Sommertagen.

3. Fehler: Schlauch vor dem Verwenden nicht ganz ausrollen

Ähnlich wie beim Gartenschlauch sollte auch der Schlauch des Hochdruckreinigers nicht abknicken oder aufgerollt bleiben. Sonst erhöht sich der Druck, das Material kann Schaden nehmen und im Ernstfall reißen. „Bei den Profigeräten kann man den Hochdruckschlauch nicht knicken“, erklärt Opitz. „Bei einem dünnen Schlauch geht das.“ Opitz spricht dabei von günstigen Hochdruckreinigern um die 300 Euro. „Den Schlauch dabei immer abrollen! Vor allem bei Heimwerker-Geräten ist die Gefahr gegeben.“ Außerdem sagt der DIY-Experte im Gespräch mit myHOMEBOOK: „Man kann die Schläuche nicht selber flicken.“ Versucht man es, beispielsweise mit einer Schellenverbindung, hält der geflickte Schlauch dem Druck nicht Stand.

Die Länge des Schlauchs ist auch ausschlaggebend. „Ein Hochdruckreiniger mit einer geringen Wassermenge kann nur mit einem kürzeren Schlauch betrieben werden, maximal zehn Meter. Wenn ich einen Hochdruckreiniger habe, der mehr Wasser transportiert, kann ich auch 20 oder 30 Meter Schlauch dranhängen.“ Man kann auch mehrere passende Schläuche miteinander verbinden. „Man muss nur darauf achten, dass der erste Schlauch dicker ist als der zweite, sonst habe ich einen Druckverlust.“

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4. Fehler: Den falschen Wasseranschluss verwenden

Wenn der Hochdruckreiniger bereits läuft, aber der Wasseranschluss noch zugedreht ist, kann die Pumpe heiß laufen und Schaden nehmen. Also vor Inbetriebnahme stets prüfen, ob das Gerät Wasser bekommt. Ulrich Opitz ergänzt: „Wenn ich einen Brunnen im Garten habe, wo ich mir Wasser aus der Erde ziehe, können da feine Schwebstoffe und Partikel drin sein. Das habe ich bei der öffentlichen Wasserversorgung nicht.“ Dabei könnte die Pumpe im Hochdruckreiniger kaputtgehen. Er empfiehlt: „Den Hochdruckreiniger immer an das Stadtwasser anschließen!“

Hinweis: Ebenfalls kann das zumischen von chemischen Reinigungsmitteln zu Problemen führen. „Das, was ich einfülle, muss dafür geeignet sein.“ Zudem sollte man keine Mittel miteinander mischen. „Wenn ich ein Mittel eingefüllt habe und ich wechsle es, muss ich den Tank reinigen, sonst kann es zu einer Flockung kommen, die dann wieder die Siebe und Düsen verstopft“, erklärt der Experte.

5. Fehler: Steckdosen im Außenbereich ignorieren

Besonderes Augenmerk beim Reinigen von Fassade oder Terrasse gilt den Außensteckdosen. Es versteht sich von selbst, diese beim Reinigen auszusparen. Zudem sollten diese Steckdosen stets mit einem Fehlerstrom-Schutzschalter (FI-Schutzschalter) ausgestattet sein, falls der Anschluss dennoch mit dem Wasserstrahl in Kontakt kommt.

„Das Problem ist, dass durch die Feuchtigkeit Korrosion entsteht“, erklärt Opitz. Deshalb: „Vorher die Sicherung im Außenbereich rausnehmen und die Steckdosen abdecken.“ Nach dem Reinigen sollte man zudem die Abdeckung abnehmen, damit es darunter trocknen kann und kein Rost entsteht. „Das Ausbauen der Steckdosen geht nicht, das darf nur der Elektrofachbetrieb. Sonst erlischt mein Versicherungsschutz.“

6. Fehler: Die falsche Düse verwenden

Es gibt viele Materialien, die man mit dem Hochdruckreiniger schnell und effizient reinigen kann, darunter Gartenwege, Fassaden oder Steinplatten auf der Terrasse. Ist der Untergrund jedoch brüchig und porös, wird das Material schnell vom harten Wasserstrahl abgetragen. Geschüttete Wege aus Kies, Schotter, Sand oder Mulch sind nicht dafür vorgesehen. Zudem sollte man auch bei harten Materialien den nötigen Abstand einhalten, je nach Düse und Material. Auch hierzu lohnt sich ein Blick in die Bedienungsanleitung.

Die Flachstrahldüse verwendet man zum oberflächlichen Reinigen von Fliesen oder Steinplatten. Auch die Fugen werden damit sauber. Die Flächenbürste reinigt hingegen, wie der Name schon sagt, große und glatte Oberflächen. Bei Moos oder starken Verkrustungen kommt die Punktstrahldüse zum Einsatz. Mit dieser sollte man jedoch die Fugen aussparen, da diese schnell ausgespült werden und man sie nachher wieder füllen muss. „Die Punktstrahldüse braucht man ganz selten, da kann ich am ehesten drauf verzichten“, sagt Opitz. „Die Rotationsdüse ist eine Punktstrahldüse, die rotiert, damit schaffe ich mehr Fläche.“

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7. Fehler: Auf Teleskopverlängerung verzichten

Für viele Hochdruckreiniger gibt es Erweiterungen wie beispielsweise eine Teleskoplanze. Diese ist praktisch, wenn es ans Reinigen der Fassade geht, da man dadurch den eigenen Radius spürbar erweitern kann. Manche eignen sich bei entsprechender Verlängerung für die Reinigung bis in vier Meter Höhe. Dadurch kann man auf ein teures Gerüst oder eine wackelige Leiter verzichten – einem weiteren Unfallrisiko.

Allerdings hat die Verlängerung auch einen Nachteil: „Wenn ich da zwei Meter zusätzlich aufstecke, nimmt der Druck ab“, erklärt Opitz. „Eine Teleskoplanze ist eine Hilfe, aber nicht unbegrenzt.“

8. Fehler: Fassade mit Wärmedämmverbundsystem reinigen

Generell wird davon abgeraten, Fassaden mit WDVS (Wärmedämmverbundsystem) mit dem Hochdruckreiniger zu bearbeiten. Wie das Malerblatt informiert, kann das Wasser schnell in das Verbundsystem eindringen und die Fassade damit zerstören. Vor allem an älteren Fassaden sind feine Risse so gut wie immer vorhanden, die zum Einfallstor für den harten Wasserstrahl werden. Opitz ergänzt: „Wenn der Anstrich der Fassade mineralisch ist, mache ich mit dem Hochdruckreiniger die Oberfläche kaputt.“ Außerdem: „Wenn Anstrichteile ungefiltert ins Abwasser laufen, ist das schlecht für die Umwelt und kann gegebenenfalls mit Strafen verfolgt werden.“

Hinweis: Opitz warnte im Gespräch mit myHOMEBOOK auch von Haustürfirmen, die eine Fassadenreinigung mit dem Hochdruckreiniger anbieten. „Grundsätzlich sollte man davon die Finger lassen. Lieber bei der Handwerkskammer anrufen und einen Fachmann vermitteln lassen.“

9. Fehler: Gartenmöbel, Terrasse und Gartenzaun aus Holz mit zu viel Druck reinigen

Wenn die Gartenmöbel nicht mehr die Jüngsten sind und schon von grünlichem Algenbelag schimmern, greifen viele vorschnell zum Hochdruckreiniger. Allerdings halten diese oft dem immensen Druck nicht stand und das Holz kann splittern. Opitz rät: „Beim Reinigen gilt: Nur das Reinigen, wovon ich sicher bin, dass ich nichts kaputt machen kann.“

Auch bei Gartenzäunen kann dies passieren. „Holz sollte grundsätzlich nie mit einem Hochdruckreiniger gereinigt werden!“, warnt auch DIY-Experte Michael Pommer auf myHOMEBOOK-Anfrage. „Ein entsprechender Entgrauer, eine Bürste und Wasser aus dem Gartenschlauch reicht.“

Holzzaun mit Hochdruckreiniger säubern
Ein Holzzaun wird mit dem Hochdruckreiniger wieder sauber, Experten raten jedoch davon eher abFoto: iStock / RoschetzkyIstockPhoto

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Bei Holzterrassen kommt es auf die Holzsorte an. Der Wasserdruck kann bei Weichholz wie Douglasie oder Lärche Schaden anrichten, weshalb man diese Terrassen nicht mit dem Hochdruckreiniger behandeln sollte. „Je näher ich rangehe, desto mehr zerstöre ich“, warnt Opitz. „Aus weiterer Entfernung kann man das machen.“

Aber auch bei Hartholz wie Bangkirai rät Opitz eher vom Hochdruckreiniger ab. „Bangkirai reinige ich mit dem Wasserschlauch, nicht mit dem Hochdruckreiniger. Sonst reißen die Fasern auf, und dann ist die Terrasse für die Tonne.“

10. Fehler: Grill mit zu viel Druck reinigen

Nicht nur die Gartenmöbel, sondern auch der Grill kann nach der Winterpause eine Auffrischung vertragen? Auch dafür kann man den Hochdruckreiniger verwenden – allerdings nicht mit voller Leistung. 100 bis 115 bar reichen dafür locker aus. Schnell könnten sonst einzelne Teile beschädigt. Zudem sollte man ausreichend Abstand zwischen Reinigungsdüse und Grill lassen, mindestens 30 Zentimeter. „Von mir aus kann man den Grill mit dem Hochdruckreiniger reinigen, aber keinen Gasgrill für 1000 Euro. Bei Gasgrills ist es grundsätzlich nicht zu empfehlen.“ Bei einem günstigen Holzkohlegrill hält sich auch der Schaden in Grenzen. „Aber vorher unbedingt die Asche herausnehmen“, empfiehlt Opitz. Sonst ist eine Sauerei vorprogrammiert.