Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de
Baumarktpartner
von myHOMEBOOK

Nicht nur Cannabis

Welche Pflanzen sind in Deutschland verboten?

Cannabis-Pflanze
Cannabis ist nicht die einzige Pflanze, deren Anbau in Deutschland verboten istFoto: Getty Images

Wenn man über „verbotene Pflanzen“ spricht, fallen einem schnell die Pflanzen ein, die man zur Herstellung von Substanzen verwendet, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen – darunter Hanf und Schlafmohn. Doch gibt es noch weitere Pflanzen, die man besser nicht im eigenen Garten anbauen sollte? Und wie sieht es mit invasiven Arten aus?

In den letzten Jahren breiteten sich hierzulande immer mehr sogenannte „Neophyten“ aus, also fremde Arten, die heimische Pflanzen verdrängen. Diese werde oft eingeschleppt und breiten sich hierzulande teils rasant aus. Teils handelt es sich um giftige Arten, beispielsweise der Riesenbärenklau (Herkuleskraut), aber auch die Robinie zählt dazu, oder die Lupine, die man für die Gründüngung verwendet. In der Schweiz hat man entschieden, den Sommerflieder nicht mehr im heimischen Garten zuzulassen, da er sich auch in freier Natur immer weiter ausbreitet. In Deutschland gelten die Eindringlinge noch nicht als verboten – aber dennoch gibt es Pflanzen, die man nicht ohne Weiteres kultivieren darf.

Gehören Neophyten zu den verbotenen Pflanzen?

Auch wenn Naturschützer vor den Auswirkungen der invasiven Pflanzenarten warnen, sind diese zu aktuellen Zeitpunkt nicht in Deutschland verboten. Allerdings gibt es bei manchen einen kommunalen Melde-Service, beispielsweise beim Riesenbärenklau. Die jeweils zuständigen Behörden kümmern sich dann um die fachgerechte Entsorgung. Der BUND zählt zu den invasiven Arten mitunter auch das Drüsige Springkraut, oft Indisches Springkraut, Rotes Springkraut oder Himalaya-Balsamine, früher auch Bauernorchidee oder Riesenbalsamine genannt, den Japanischen Staudenknöterich oder die Kanadische Goldrute.

Ein generelles Verbot dieser Arten gibt es nicht, im Gegensatz zum Sommerflieder-Verbot in der Schweiz. myHOMEBOOK hat sich dazu auch bei Sandra von Rekowski vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V. erkundigt. „Von einem allgemeinen Verbot wie in der Schweiz, das das Anpflanzen von Sommerflieder in Deutschland verbietet, habe ich noch nicht gelesen“, bestätigt die wissenschaftliche Mitarbeiterin auf myHOMEBOOK-Anfrage.

Kann die EU bestimmte Pflanzen verbieten?

Allerdings gibt es eine EU-Verordnung (Nr. 1143/2014), die sich mit invasiven, gebietsfremden Arten und Biodiversität beschäftigt. Diese werden in den sogenannten „Unionslisten“ erfasst, zuletzt in der EU-Durchführungsverordnung 2019/1262. „Hier werden alle gebietsfremden Arten aufgelistet, die von unionsweiter Bedeutung sind“, erklärt von Rekowski. Neben dem bereits erwähnten Drüsigen Springkraut sind darin auch einige Tierarten aufgeführt. Laut EU-Verordnung dürfen sie „nicht in die Union eingeführt werden, da ihre Invasivität erkannt wurde und ihre Einbringung in die Union nachteilige Auswirkungen auf heimische Arten hat.“ Ferner darf man sie laut Verordnung Nr. 1143/2014 nicht vorsätzlich

  • in das Gebiet der Union bringen
  • halten
  • züchten
  • aus der und innerhalb der Union befördern (außer zur Beseitigung)
  • in den Verkehr bringen
  • verwenden oder tauschen
  • zur Fortpflanzung, Aufzucht oder Veredelung bringen
  • in die Umwelt freisetzen.

EU-Mitgliedsstaaten können zur Umsetzung eigene Maßnahmen durchführen. Ein generelles Verbot auf staatlicher Ebene gibt es aber damit nicht.

Wie sieht es in Kleingärten aus?

„An Regeln, die der Gesetzgeber vorgibt, muss sich selbstverständlich auch im Kleingarten gehalten werden“, erklärt von Rekowski. Zusätzlich gibt es innerhalb der Landes-, Bezirks-, Regionalverbände und auch in Kleingartenvereinen Pflanzen, die man nicht im Kleingarten anbauen sollte. „Eine allgemeingültige Auflistung gibt es wegen der regionalen Unterschiede dazu nicht“, sagt die Expertin.

Sind Nutzhanf und Schlafmohn verboten?

Sowohl der private Anbau von Hanf, als auch von Schlafmohn ist in Deutschland verboten. Bei Hanf benötigt man eine Sondergenehmigung, allerdings mit geringen Aussichten auf Erfolg, egal ob es sich um weibliche oder männliche Pflanzen handelt. Für die Herstellung von Cannabis-Produkten benötigt man lediglich weibliche Hanfpflanzen. Bestandteile des Schlafmohns dienen zur Herstellung von Heroin, weshalb beide verbotene bzw. genehmigungspflichtige Pflanzen unter das Betäubungsmittelschutzgesetz (BtMG) fallen.

Darf man fremde Pflanzen aus dem Urlaub mitbringen?

Viele exotische Pflanzen wachsen aufgrund des Klimawandels auch hierzulande. Warum also nicht Samen oder Stecklinge aus dem Urlaub mit nach Deutschland bringen? Hier kommt der Zoll ins Spiel. Aus dem Nicht-EU-Ausland mit Ausnahme von Schweiz und Liechtenstein darf man beispielsweise keine Weinreben, Zitruspflanzen, Nachtschattengewächse und Kartoffelknollen einführen, ferner betrifft das auch viele Nadel- oder Laubgehölze. Damit soll vermieden werden, dass sich Pflanzenkrankheiten weiter verbreiten. Von Rekowski empfiehlt: „Grundsätzlich ist es besser, keine Pflanzen, Samen oder Ähnliches aus dem Urlaub mitzubringen – dann ist man auf der sicheren Seite.“