23. April 2026, 13:58 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Oft wird der Wert einer Pflanze an der Größe und Farbe ihrer Blüten bemessen. Was nicht auffällig blüht, wird übersehen. Demzufolge würde das Echte Herzgespann (Leonurus cardiaca) vermutlich kaum jemand entdecken. Doch die Staude macht auf andere Weise auf sich aufmerksam.
Man hört sie oft, bevor man sie sieht. Wer an einem sonnigen Junitag im Garten steht, nimmt das Echte Herzgespann meist am tiefen Brummen der Hummeln wahr, die die hohen Stängel umschwirren. Das macht die Pflanze zu einem Highlight im Garten, auch wenn sie optisch erst auf den zweiten Blick überzeugt.
Robust und pflegeleicht
Das Echte Herzgespann ist eine robuste Wildstaude. In freier Natur wächst sie auf Ruderalflächen, also Orten wie alten Schuttplätzen, Brachen oder Wegrändern, die sich selbst überlassen wurden. Im Garten ist es entsprechend pflegeleicht. Ein sonniger bis halbschattiger Standort mit einem frischen, humosen, nährstoffreichen und durchlässigen Boden reicht ihm aus.
Was beim Anfassen auffällt, sind die vierkantigen und fein behaarten Stängel. Sie sind erstaunlich zäh, selbst bei Wind und Regen knicken die hohen Triebe nicht um. Gleichzeitig steckt die Wildstaude vorübergehende Trockenphasen problemlos weg. Ihre Robustheit zeigt sich auch in der Abwehr von Schädlingen: Während viele Stauden von Schnecken angefressen werden, bleibt das Herzgespann meist verschont. Auch Wühlmäuse machen einen Bogen um die Pflanze.
Meister der Selbstaussaat
Das Echte Herzgespann ist eine kurzlebige Staude. Oft verschwindet sie nach zwei oder drei Jahren von ihrem Platz, nur um plötzlich an anderer Stelle im Garten wieder aufzutauchen. Die Sämlinge erkennt man leicht an den gezähnten, runzeligen Blättern. Wenn Ihnen der Standort der Jungpflanzen nicht gefällt, können Sie sie problemlos umsetzen. Lassen Sie die Pflanzen jedoch dort stehen, wo sie von selbst gewachsen sind, danken sie es mit einem besonders kräftigen und schönen Wuchs. Wenn Sie nicht möchten, dass die Pflanze im Garten auf Wanderschaft geht, schneiden Sie die Blütenstände nach dem Verblühen ab.
Das hat es mit dem Namen auf sich
Der botanische Name Leonurus bedeutet übersetzt „Löwenschwanz“. Wer die Pflanze im Hochsommer sieht, erkennt die Ähnlichkeit mit etwas Fantasie sofort. Die langen Triebe mit ihren dicht beieinander liegenden behaarten Blütenständen wirken in ihrer Form wie die buschigen Schwänze von Löwen. Die Blätter sind tief gespalten und erinnern in ihrer groben Struktur fast an die Krallen einer Raubkatze.
Auch der deutsche Name „Herzgespann“ erzählt seine Geschichte: Früher galt die Pflanze als wichtige Heilpflanze. Heute wird sie vor allem in der Volksmedizin genutzt. Verwendet werden die getrockneten Pflanzenteile traditionell etwa bei nervösen Herzbeschwerden oder innerer Unruhe. Die Wirkung ist wissenschaftlich jedoch nicht eindeutig belegt.
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Nahrung für 40 Wildbienenarten
Die blassrosa Einzelblüten sind zwar klein, sitzen aber in großer Zahl in dichten Quirlen direkt am Stängel. Im Laufe des Sommers schieben sich diese Blütenkerzen immer weiter in die Höhe und prägen das Bild der Pflanze. Vor allem, weil sie auch noch im Spätsommer blühen, wenn sich das Nahrungsangebot für Insekten ausdünnt, haben sie eine hohe ökologische Bedeutung. Mehr als 40 Wildbienenarten steuern das Herzgespann an – allen voran Hummeln, die besonders auffällig an den Blüten zugange sind. Wenn mehrere von ihnen gleichzeitig an einem Trieb aktiv sind, geraten die hohen Stängel sichtlich in Schwingung.
Das Echte Herzgespann eindrucksvoll kombinieren
Mit seinem wilden Charme ist das Herzgespann die ideale Besetzung für naturnahe Gärten, Bauerngärten sowie Kräuter- oder Apothekergärten. Es wird bis zu 120 Zentimeter hoch und beansprucht bis zu 60 Zentimeter in der Breite. Wegen seiner Größe ist es am besten in mittleren oder hinteren Beetbereichen aufgehoben.
Bauerngarten-Vibes entstehen durch Kombination mit Phlox, Sonnenbraut oder Taglilien. Die bunten Blüten passen prima zu der herben Optik des Herzgespanns. Ebenfalls gut geeignet als Begleitpflanzen sind Katzenminze oder Kräuter wie Lavendel oder Salbei. Auch Schafgarbe macht sich mit ihren flachen Dolden gut neben dem Herzgespann. Und wer der Staude etwas Filigranes und Leichtes zur Seite stellen möchte, pflanzt Gräser.
Extratipp
„Das Echte Herzgespann stirbt oberirdisch im Winter ab und treibt im Frühjahr wieder aus. Wenn Sie die Pflanze erst im Frühjahr zurückschneiden, können Insekten die hohlen Stängel als Winterquartier nutzen.“