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Lassen sich mit dem 3D-Drucker wirklich Häuser bauen?

Ein Haus aus dem 3D-Drucker bringt mehrere Vorteile mit sich
Ein Haus aus dem 3D-Drucker bringt mehrere Vorteile mit sich Foto: Getty Images

15. September 2026, 6:46 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Häuser aus dem 3D-Drucker gelten als eine der spannendsten Innovationen im Bauwesen. Die Gebäude entstehen dabei Schicht für Schicht mithilfe spezieller Druckverfahren. Doch wie läuft ein solches Bauprojekt in der Praxis ab? Für wen kommt die Bauweise infrage, welche Vor- und Nachteile gibt es und mit welchen Kosten müssen Bauherren rechnen?

Wie funktioniert der Bau eines Hauses mit dem 3D-Drucker?

Wenn man beim Hausbau an einen 3D-Drucker denkt, können sich die meisten nicht vorstellen, wie das in der Praxis aussieht. Am besten stellt man sich riesige, automatisierte Spritzbeutel für Beton vor, die Schicht für Schicht eine Gebäudehülle bauen. Im Grunde ist der „Spritzbeutel” eine Hightech-Düse, die auf Schienen um das ganze Gebäude fährt, um die Wände aufzubauen.

Dieser Roboter ist jedoch nur für den Rohbau des Hauses gedacht und lässt Lücken für Fenster, Türen und Stromleitungen offen. Dabei fährt er präzise nach einem digitalen 3D-Bauplan, bis die Wände stehen. Statt Tinte verwendet man bei einem 3D-Drucker eine spezielle, schnelltrocknende Betonmischung, die flüssig genug sein muss, damit man sie durch die Düse pressen kann, aber fest genug, um nicht zusammenzufallen. So ein Rohbau kann dann meist in kurzer Zeit fertiggestellt werden. 

Alle weiteren Arbeiten, die das Dach, die Fenster, die Leitungen und den Innenausbau betreffen, werden von Handwerkern verrichtet. Da der 3D-Drucker kein Selbstläufer ist, benötigt man auf der Baustelle ein geschultes Team für die Überwachung.

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Erstes Wohngebäude aus 3D-Drucker in Beckum

In Deutschland wurden schon einige Häuser aus dem 3D-Drucker gebaut. Das erste offiziell genehmigte und gedruckte Wohngebäude Deutschlands wurde im Jahr 2021 in Beckum in Nordrhein-Westfalen errichtet. Das zweigeschossige Gebäude hat eine Wohnfläche von rund 160 Quadratmetern und wurde mit einem BOD2-Portaldrucker von Peri errichtet. Lediglich zwei Personen bedienten die Maschine, während eine Kamera das Druckergebnis und die Anlagen überwachte.

Diese Planungsschritte sind beim 3D-Haus nötig

Bei einem 3D-gedruckten Haus sind bei der Planung fast dieselben Schritte notwendig wie bei jedem anderen Haus. Man muss ein passendes Grundstück suchen, eine Baugenehmigung einholen und sich mit der Planung auseinandersetzen. Beim Grundriss und bei der Hausform gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Laut Hersteller hat man mit einem 3D-gedruckten Haus mehr Gestaltungsmöglichkeiten und kann Formen und Stile umsetzen, die mit den konventionellen Bauweisen schwer oder gar nicht realisierbar wären. Allerdings ist es wichtig, bereits vor dem Grundstückskauf abzuklären, ob die Vorgaben des Bebauungsplans mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmen. Auch bei der Baugenehmigung kann es oft komplizierter werden, da die Bauweise noch relativ neu ist. Dadurch fehlen in vielen Regionen entsprechende Zulassungen und Erfahrungswerte. Das kann dann die Genehmigungsdauer hinauszögern.

Wie muss das Grundstück vorbereitet werden?

Für die Montage auf der Baustelle kann man grundsätzlich zwei Systeme verwenden: das Portal-System und einen Knick- beziehungsweise Gelenkarmroboter. Beim Portal-System wird ein Gerüst mit Schienen aufgestellt, an dem sich eine Hightech-Düse bewegt. Durch diese Düse wird der Beton schichtweise aufgetragen. Beim Knick-/Gelenkarmroboter wird der Beton über eine am Arm entlanggeführte Schlauchleitung mittels Pumpe zum Druckkopf an der Armspitze befördert. 

Bei beiden Techniken muss man zunächst ein solides Fundament gießen und glätten, genauso wie bei einer klassischen Bauweise. Zusätzlich werden Betonmischer und Silos benötigt, damit der 3D-Drucker nicht „trockenläuft“. Zudem muss man den Weg zum Grundstück für Schwerlastfahrzeuge befahrbar machen und entsprechend festigen, damit der Untergrund nicht absacken kann.

Die Vorteile von 3D-gedruckten Häusern

Ein Haus aus dem 3D-Drucker bringt mehrere Vorteile mit sich. Zum einen kann die kurze Bauzeit für viele Bauherren verlockend sein, weil der Rohbau innerhalb von wenigen Tagen entstehen kann. Zudem benötigt man weniger Personal, da viele Prozesse über eine Computersteuerung laufen. Das kann die Baukosten positiv beeinflussen. Außerdem braucht man weniger Material, da es anhand der Düse gezielter aufgetragen wird. Dadurch entsteht automatisch weniger Verschnitt.

Ein weiterer Vorteil ist die größere Gestaltungsfreiheit, insbesondere bei komplexeren und organischen Formen. Zudem soll die Akustik in einem 3D-gedruckten Haus besser sein. Bernd Mergard, der Bauherr des ersten 3D-Hauses in Deutschland, nennt es den „Eierpappen-Effekt” und lobt die Wellenstruktur des Rohbaus, die man auch im Innenraum sieht. Dadurch bricht der Schall, was zu einer hervorragenden Raumakustik führt.

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Wo liegen aktuell die Grenzen der Technologie?

Bis jetzt ist es noch nicht möglich, ein komplettes Haus mit der Technologie zu bauen. Gerade entstehen ausschließlich Rohbauten, da der Drucker nur vertikale Wände hochzieht; er kann nur von unten nach oben drucken. Zwischendecken, Dächer sowie der gesamte Innenausbau müssen ganz konventionell von Handwerkern gebaut werden. Auch kann das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen: Beton reagiert empfindlich auf Hitze, Frost, Wind oder Regen. Wenn es zu stark regnet, wäscht der Beton aus. Bei Hitze trocknet er zu schnell und bekommt Risse. 

Ein Kostenüberblick

In Deutschland liegen die Kosten für ein 3D-gedrucktes Haus bei etwa 2.500 bis 4.000 Euro pro Quadratmeter. Das Haus in Beckum lag inklusive gehobener Ausstattung und Smart-Home-Technik bei 450.000 Euro. Derzeit kann man noch nicht sagen, ob ein 3D-gedrucktes Haus tatsächlich günstiger ist als der Bau eines konventionellen Gebäudes. Obwohl diese Bauweise durch den vergleichsweise günstigeren Rohbau Kosten sparen kann, entstehen durch Auflagen und Bürokratie oft zusätzliche Kosten. 

Auch können durch die geschwungenen und organischen Formen Mehrkosten entstehen, weil man oft Sonderanfertigungen für Türen, Fenster und Möbel benötigt. 

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Wie langlebig und energieeffizient sind Häuser aus dem 3D-Drucker und welche Missverständnisse gibt es?

3D-gedruckte Häuser können in puncto Energieeffizienz mit den klassischen Neubauten mithalten und auch den Standard von KfW 55 erreichen. Hinsichtlich der Langlebigkeit gibt es bis jetzt noch keine Langzeit-Erfahrungswerte, da diese Technologie noch in den Kinderschuhen steckt. 

Viele denken, dass die Dämmung gleich mitgedruckt wird. Das ist aber nicht der Fall. Die Wände werden dreischalig gedruckt und die Zwischenräume anschließend mit Dämmmaterial von Handwerkern in einem separaten Arbeitsschritt ausgefüllt.

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3D-Druck und die Klimabilanz

Trotz der innovativen Bautechnik gibt es auch die Kehrseite der Medaille: Für das 3D-gedruckte Haus verwendet man eine Beton-Zement-Mischung, die bei der Herstellung sehr viel Energie verbraucht und daher mitverantwortlich für die globalen Treibhausgasemissionen ist. 

Gleichzeitig sorgt die präzise Methode auch für weniger Verschnitt und Restbeton. Das Bauprojekt in Lünen beispielsweise verwendete einen Beton, der zu 100 Prozent recycelbar ist und ein Bindemittel mit rund 55 Prozent CO₂-Reduktion gegenüber herkömmlichem Portlandzement enthält. Mittlerweile forscht man an Infraleichtbeton, der die Ökobilanz künftig verbessern könnte.

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