8. November 2026, 9:23 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
2027 nähert sich in großen Schritten. Auch im Bereich des Bauwesens bringt das Jahr einige Neuerungen, die Bauherren kennen sollten. Die Frage, was man im Haus wirklich braucht, wird wichtiger als die Frage, was alles möglich wäre. Während in den Vorjahren vor allem Technik und Flexibilität im Mittelpunkt standen, geht es jetzt um Qualität durch Reduzierung. myHOMEBOOK gibt einen Überblick, welche Hausbautrends sich 2027 durchsetzen könnten.
Folgen Sie jetzt myHOMEBOOK bei WhatsApp
Low-Tech-Architektur wird zum Hausbautrend
Ist es beim Hausbau wirklich notwendig, das Badewasser schon von unterwegs aus dem Auto einzulassen oder die vergessene Markise per App aus der Ferne zu steuern? Der neue Bautrend der Low-Tech-Architektur wirbt für ein anderes Lebensgefühl: weniger ist mehr. Es geht um die Rückbesinnung auf das Wesentliche und ein Wohnen ohne digitalen Stress. Statt auf anfällige Technik setzt dieser Ansatz wieder verstärkt auf eine einfache Bedienbarkeit.
Eine solide Gebäudehülle vom Keller bis zum Dach gehört genauso zur Low-Tech-Architektur wie altbewährte Verschattungsmöglichkeiten. Wenn man das mit Dachüberständen und außenliegenden Fensterläden ergänzt, kann man sein Gebäude ganz ohne zusätzliche Steuerungssysteme schützen. Oft kann man schon mit einer verlässlichen Luft-Wasser-Wärmepumpe in Kombination mit einer Photovoltaikanlage die Heizkosten senken. Am Ende fährt man damit nicht nur nachhaltiger, sondern macht sich zugleich unabhängig von ständigen Software-Updates und technischer Fehleranfälligkeit.
Auch interessant: Diese Förderungen gibt es bei der Finanzierung von Immobilien
Kompakte Bauten stehen im Vordergrund
Um Kosten zu sparen, wird einfaches und kompaktes Bauen wieder relevant. Lieber gibt man das Geld für nachhaltige und robuste Materialien aus, von denen man auch langfristig etwas hat. Auch das Weglassen des Kellers kann helfen, Baukosten zu sparen. Der Stauraum sollte dann aber trotzdem woanders eingeplant werden.
Beim Planen sollte man den Grundriss nicht außen vor lassen, denn auch hier ändert sich einiges. Wird die Wohnfläche kleiner, müssen Lösungen her, die flexibel und platzsparend sind. Mit Schiebe- oder Trennwänden kann man zum Beispiel das Homeoffice verstecken oder für Gäste einen Schlafplatz schaffen. Auch bei der Grundstückssuche braucht man 2027 wieder einen langen Atem, denn Bauland ist vielerorts knapp. Wer sucht, sollte deshalb auch Restgrundstücke und Baulücken im Blick haben.
Solarpflicht kommt
Bisher war die Solarpflicht nur Ländersache, doch ab 2027 wird sie bundesweit schrittweise eingeführt. Am Anfang betrifft sie nur neu errichtete Nichtwohngebäude mit mehr als 250 Quadratmetern Nutzfläche sowie neue öffentliche Gebäude. Für neue Wohngebäude gilt sie erst ab 2030. Wer heute ein Haus baut, sollte das Thema trotzdem gleich mit in Angriff nehmen: In manchen Bundesländern, etwa Berlin und Hamburg, ist eine Anlage beim Neubau schon jetzt Pflicht, und wer sie von Anfang an einplant, spart sich später das teurere Nachrüsten.
Viele Bauherren verabschieden sich zunehmend von fossilen Brennstoffen und setzen stattdessen auf Eigenversorgung. Photovoltaik, Batteriespeicher, Wärmepumpe und Wallbox wachsen dabei zu einem intelligenten Gesamtsystem zusammen, das sich im Alltag weitgehend von selbst regelt.
Bauen im Bestand als weiterer Hausbautrend
Ein weiterer Trend zeichnet sich beim Bauen im Bestand ab, also beim Modernisieren, Erweitern und Umbauen bestehender Gebäude. Die Devise heißt „Aus Alt mach Neu“ oder besser gesagt „Aus Klein mach Groß“. Wenn das Grundstück es hergibt, kann man sein Haus durch Anbauten vergrößern. Das ist meistens nachhaltiger und kann zudem den Geldbeutel schonen. Auch mit wiederverwendeten Materialien kann man seinem Haus ein ganz neues Gesicht geben.
Bei bestehenden Gebäuden kann man noch weit mehr machen. Ungenutzte Dachböden, alte Scheunen oder ehemalige Nebengebäude bieten interessante Möglichkeiten, neuen Lebensraum zu schaffen.
Auch interessant: Werden Häuser bald ohne Glasfassaden gebaut?
Die Besonderheiten eines Hybridhauses
Das sind die Hausbau-Trends 2024
Wie trendgerechtes Bauen bezahlbar bleibt
Der Fachkräftemangel und Zinsen von über 4 Prozent zwingen zum Umdenken. Ein neues Einfamilienhaus kostet ohne Grundstück im Schnitt rund 2.700 Euro pro Quadratmeter, je nach Region und Ausstattung auch deutlich mehr. Wer die Kosten niedrig halten möchte, muss auf der Baustelle möglichst viel Zeit sparen. Handwerkerstunden sind teuer, und oft muss man lange auf einen Termin warten. Wenn man jedoch den größten Teil vorfertigen lässt, braucht man weniger Arbeitsstunden und behält so die Finanzen besser im Griff. Deshalb ist die Fertig- oder Modulbauweise für viele wieder sehr attraktiv geworden. Bei der Fertigbauweise wird das gewünschte Haus meist in wenigen Tagen regendicht aufgestellt.
Bei der Modulbauweise geht man sogar einen Schritt weiter. Ganze Raummodule werden weitgehend im Werk gebaut. Man kann sie aber bei Bedarf ergänzen oder reduzieren. Zudem werden durch die industrielle Fertigung Materialien planbarer verwendet, was nicht nur dem Geldbeutel gut tut, sondern auch der Umwelt und kann dabei wie bei der Fertigbauweise sogar noch Zeit gewinnen.
Förderung und neue Regeln
Wer günstig bauen möchte, sollte auch einen Blick auf die staatliche Förderung werfen. Das KfW-Programm für klimafreundlichen Neubau im Niedrigpreissegment hat seinen Zuschuss von 5 auf 7,5 Prozent erhöht. Es gilt aber nur für kompakte Häuser mit Kostengrenzen, deshalb sollte man die Bedingungen vorher genau prüfen. Außerdem könnte der Gebäudetyp E künftig Sparpotenzial bieten, wenn man auf nicht zwingend nötige Komfortstandards verzichtet. Das Gesetz ist allerdings noch nicht beschlossen, und Baufirmen müssen Bauherren darauf hinweisen, wo sie vom üblichen Standard abweichen.