10. Juni 2026, 11:18 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Ringelblumen zwischen Tomaten, Borretsch neben Zucchini: Ob es sinnvoll ist, Blumen ins Gemüsebeet zu pflanzen, welche Idee dahintersteckt und welche Kombinationen sich bewährt haben, erklärt myHOMEBOOK-Gartenexpertin Katharina Petzholdt.
Ein gepflegtes Gemüsebeet hat seinen eigenen Charme. Kräftige Blätter und bunt reifende Gemüse stehen in ordentlicher Logik von Reihen und Abständen zueinander. Wenn man jedoch gezielt einen Borretsch mit seinen nickenden, blauen Blüten dazwischensetzt oder eine üppig wachsende Kapuzinerkresse über den Beetrand quellen lässt, geht diese strenge Ordnung flöten. Dafür werden die Beete verspielter und lebendiger. Blumen im Gemüsebeet haben mit einer echten biologischen Symbiose zwar wenig zu tun, führen aber zu einer ganz praktischen Frage: Wie sinnvoll ist das bunte Miteinander wirklich?
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Vorteile einer Kombination von Blumen und Gemüse
Blumen im Gemüsebeet sind keine Wunderwaffe, können aber trotzdem einiges leisten.
Bestäuber anlocken
Manche Gemüse wie Zucchini, Gurken, Kürbisse und Melonen sind auf Insekten angewiesen, um Früchte zu bilden. Wer Blühpflanzen wie Borretsch oder Phacelia neben diese Kulturen setzt, lockt jede Menge Bestäuber an.
Schädlinge im Boden bekämpfen
Tagetes lockt schädliche Nematoden mit Duftstoffen aus ihren Wurzeln an. Sobald die Schädlinge an den Wurzeln saugen oder in das Wurzelwerk eindringen, setzt die Pflanze einen natürlichen Giftstoff frei, der die Nematoden abtötet. Auch Ringelblumen helfen, Nematoden im Boden zu reduzieren.
Nützlinge anlocken
Ringelblumen locken Schwebfliegen und Florfliegen an, deren Larven sich von Blattläusen ernähren. Eine einzige Larve kann mehrere Hundert Blattläuse vertilgen.
Blumen können Schädlinge durch Duft ablenken
Der Duft der Tagetes hält die Weiße Fliege auf Abstand, die vor allem Kohl befällt. Auch Borretsch wirkt über seinen Duft: Neben Kohl gepflanzt, soll er den Kohlweißling verwirren und ihn an der Eiablage hindern.
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Blumen können als Opferpflanzen dienen
Tagetes und Kapuzinerkresse lassen sich gezielt als Opferpflanzen einsetzen. Tagetes liegt bei Schnecken so hoch im Kurs, dass sie zuerst die Tagetes fressen, bevor sie sich an das Gemüse machen. Wer Tagetes pflanzt, weiß immer, wo sich die Schnecken befinden und kann sie rechtzeitig absammeln. Auch die Kapuzinerkresse wird als Opferpflanze eingesetzt. Sie soll nämlich Blattläuse anziehen. Viele Gärtner berichten, dass andere Pflanzen von Blattläusen verschont bleiben, wenn Kapuzinerkresse in der Nähe wächst. Sicher ist die Wirkung aber nicht, denn es gibt Hunderte von Blattlausarten mit unterschiedlichen Vorlieben, und nicht jede lässt sich so einfach umlenken.
Ob Kapuzinerkresse gegen Kohlweißlinge hilft, ist umstritten. Manche Gärtner schwören darauf, dass Kapuzinerkresse den Falter vom Kohl ablenkt, andere berichten, dass der Senföl-Duft ihn erst recht anzieht und die Eier dann auf den Kohl und die Kapuzinerkresse gelegt werden.
Boden verbessern
Ringelblume und Phacelia lockern mit ihren Wurzeln den Boden auf und belüften ihn. Beide Pflanzen können nach der Blüte in den Boden eingearbeitet werden. Sie gelten als gute Humusbildner und verbessern so langfristig die Bodenstruktur.
Unkraut unterdrücken
Kapuzinerkresse wächst so ausufernd, dass sie den Boden wie eine lebende Mulchschicht bedeckt. Unkräuter haben bei diesem dichten Wuchs schlechte Chancen.
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Nachteile: Was gegen Blumen im Gemüsebeet spricht
Blumen konkurrieren mit dem Gemüse um Licht, Wasser und Nährstoffe. Wer ein kleines Hochbeet bereits intensiv bepflanzt, sollte das im Hinterkopf behalten.
Blühende Begleitpflanzen brauchen außerdem selbst Pflege. Wer Tagetes oder Ringelblumen verblühen lässt, ohne regelmäßig Verblühtes zu entfernen, bekommt weniger Nachblüte und damit weniger Nützlingsanflug.
Fünf besonders nützliche Blumen im Gemüsebeet
Tagetes patula ist der effektivste Schädlingsschreck unter den Tagetesarten. Sie wächst meist kompakt und buschig mit einer Höhe von etwa 20 bis 40 Zentimetern und trägt von Mai bis in den November hinein gelbe bis orange, oft auch zweifarbige Blüten. Passt gut neben Tomaten, Kartoffeln, Kohl, Möhren und Gurken.
Die Kapuzinerkresse neigt zu überbordendem Wuchs. Sie breitet sich mit ihren leicht bläulich-grün schimmernden Blättern und den leuchtend gelben bis dunkelorangen Blüten großzügig aus. Sie ist nicht nur auf unterschiedliche Weise nützlich, sondern auch essbar. Die Blüten machen sich gut als essbare Salatdeko und die Blätter schmecken auf Brot, im Salat und im Pesto. Passt gut neben Tomaten, Gurken, Kürbis, Zucchini und Bohnen.
Die Ringelblume wird 30 bis 60 Zentimeter hoch und blüht in Gelb und Orange von Juni bis zum ersten Frost. Die Blütenblätter sind essbar und schmecken leicht harzig-würzig. Verträgt sich gut mit fast allen Gemüsearten.
Borretsch wächst rasch bis zu 80 Zentimeter hoch. Die Stängel sind borstig behaart und die Blätter rau und graugrün. Die Blüten hängen nickend herab und wechseln ihre Farbe von Rosa zu leuchtendem Blau. Passt besonders gut neben Kohlrabi und anderen Kohlarten, Salat, Buschbohnen, Kartoffeln, Gurken, Zucchini und Tomaten.
Phacelia, auch bekannt als Bienenfreund oder Büschelschön,wird 60 bis 80 Zentimeter hoch, hat fein gefiederte Blätter und violettblaue Blütenstände. Passt zu fast allem im Gemüsebeet.
Mein Tipp für das Gemüsebeet
Wer Blumen ins Gemüsebeet pflanzt, sollte keine Wunder erwarten, auch wenn der Nutzen real ist. Ich mache es mir leicht: Ringelblumen, Kornblumen, Borretsch und Phacelia ziehe ich seit Jahren nicht mehr vor und säe sie auch nicht gezielt aus. Ich lasse sie stehen, bis die Samen reif sind und schmeiße diese dann einfach quer durch den Gemüsegarten. Was im Folgejahr aufgeht und mich stört, rupfe ich raus und lasse es als Mulch liegen. Was passt, darf bleiben.