5. Januar 2026, 17:21 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Während die meisten Pflanzen im Herbst ihre Blätter verlieren, zeigen sich manche Pflanzen weitgehend unbeeindruckt vom Wechsel der Jahreszeiten. Doch wer genauer hinsieht, merkt schnell: Grün im Winter ist nicht automatisch immergrün.
Grün im Winter hat viele Gesichter
Blattwerk in der kalten Jahreszeit kann ganz Unterschiedliches bedeuten. Manche Pflanzen behalten ihr Laub das ganze Jahr. Andere tragen es nur bis zum Neuaustrieb und wechseln dann. Und es gibt Arten, die je nach Winter mal grün bleiben und mal deutlich ausdünnen. Für diese Unterschiede gibt es die Begriffe immergrün, wintergrün und halbimmergrün. Sie klingen eindeutig, werden aber nicht überall gleich benutzt. Im Handel und in Ratgebern werden manche Arten unterschiedlich einsortiert.
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Immergrüne Pflanzen geben sich keine Blöße
Immergrüne Pflanzen sind ohne Unterbrechung belaubt oder benadelt. Das Blattwerk wird nicht auf einmal abgeworfen, sondern laufend erneuert. Im Garten fällt das meist nur als feiner Blatt- oder Nadelabwurf auf, der je nach Art und Jahreszeit mal stärker und mal schwächer ausfällt.
Zu den immergrünen Laubgehölzen, die in vielen Gärten wachsen, gehören Buchsbaum, Stechpalme, Kirschlorbeer, Mahonie und Rhododendron. Dass Laubgehölze immergrün sind, ist eher die Ausnahme, während immergrün bei Nadelgehölzen überwiegend der Normalfall ist. Zu den bekanntesten Arten zählen hier Eibe, Fichte, Tanne, Kiefer, Wacholder, Scheinzypresse, Thuja und auch Douglasie. Auch viele Bambusarten gehören zu den immergrünen Pflanzen. Botanisch sind sie allerdings keine Gehölze, sondern Gräser.
Immergrün geht auch im Staudenbeet, etwa mit Bergenien. Christrosen und Lenzrosen bleiben ebenfalls grün und setzen zusätzlich Winterblüten an. Bei den Kräutern zählt Thymian zu den immergrünen Pflanzen, sofern er nicht zu nass steht.
Wintergrün: Blattwechsel im Frühjahr
Wintergrün wird oft einfach als „im Winter grün“ verstanden. Strenger gefasst meint es Pflanzen, die ihr Laub über den Winter behalten, es aber zum Saisonstart austauschen. Das sieht man bei manchen Heckenpflanzen: Liguster kann je nach Art und Sorte lange grün bleiben und wirft einen Teil seiner Blätter erst ab, wenn der neue Austrieb kommt. Wie zuverlässig das klappt, hängt allerdings stark von der Region und von der Härte des Winters ab. Auch die Großblütige Abelie wird im Handel häufig als wintergrün geführt.
Bei Stauden ist wintergrün häufig Teil des Jahresrhythmus, auch wenn das alte Laub im Spätwinter nicht mehr ganz so elegant aussieht. Purpurglöckchen stehen oft noch mit Blättern da, die nach Frost und Sonne etwas mitgenommen wirken, bevor sie vom frischen Austrieb ersetzt werden. Auch Herbst-Alpenveilchen sind wintergrün, funktionieren aber anders: Sie bilden ihre Blätter erst im Herbst, bleiben im Winter mehr oder weniger grün und ziehen im Frühjahr wieder ein. Und auch Kräuter können wintergrün sein, etwa der Salbei.
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Halbimmergrün: Mal bleibt viel, mal fast nichts
Halbimmergrün ist die Kategorie mit den größten Unschärfen. In milden Wintern behalten solche Pflanzen oft ihr Laub, in Kahlfrostwintern oder an windoffenen Standorten verlieren sie deutlich mehr. Darum sind Angaben dazu immer etwas standortabhängig. Als halbimmergrün werden zum Beispiel Kriechspindel, Feuerdorn, Schleifenblume, Elfenblumen und der Felsen-Storchschnabel beschrieben, auch wenn die Bezeichnungen je nach Anbieter, Standort und Winterverlauf bis wintergrün oder immergrün reichen können.
Die Akebie, auch Schokoladenwein genannt, zeigt das besonders deutlich: In geschützten Lagen bleibt sie lange belaubt, in rauen Lagen kann sie stärker entlauben.
Verschiedene Pflegeansprüche
Pflanzen, die auch im Winter belaubt sind, haben andere Wasseransprüche als sommergrüne Pflanzen, weil sie auch im Winter Wasser verdunsten. Wenn der Boden gefroren ist, kommt über die Wurzeln wenig nach. An frostfreien Tagen kann es daher empfehlenswert sein, die Gießkanne mal vorbeizuschicken. Besonders bei frisch gepflanzten Hecken, bei Standorten im Regenschatten und vor allem aber auch bei Kübelpflanzen macht das den Unterschied.
Die Wintersonne kann vorhandene Blätter bei Frost austrocknen. Bambus zeigt diesen Winterstress oft deutlich, wenn sich die Blätter bei Frost einrollen. In offenen Lagen hilft eine leichte Schattierung mit Vlies, um die Wintersonne ein wenig abzumildern. Kübel sollten zusätzlich isoliert werden, weil der Wurzelballen schneller durchfriert.
Wo im Winter Blätter an der Pflanze bleiben, spielt auch Schneelast eine Rolle. Nasser, schwerer Schnee sammelt sich in Hecken und Kronen und kann Triebe auseinanderdrücken oder ganze Äste abbrechen. Oft reicht es, die Last vorsichtig abzuschütteln.
Immergrün – der Name ist Programm
„Das Kleine Immergrün (Vinca minor) und das Große Immergrün (Vinca major) bleiben ihrem Namen entsprechend immer grün. Sie gedeihen am besten in halbschattigen bis schattigen Bereichen und eignen sich gut als Bodendecker unter Gehölzen. Während das Kleine Immergrün niedriger bleibt, feiner wirkt und sich meist zurückhaltender ausbreitet, wächst das Große Immergrün kräftiger, trägt größere Blätter und Blüten und kann freie Flächen schneller schließen.“