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Aussaat auf Fensterbank und in Mini-Gewächshaus

Pflanzen selbst vorziehen – so gelingt es

Auf einem Fensterbrett stehen Anzuchtgefäße
Bereits ab Mitte Februar kann mit der Anzucht von Gemüsepflanzen, Blumen und Kräutern auf dem Fensterbrett begonnen werdenFoto: Getty Images

Der Frühling naht und so langsam aber sicher kribbelt es Hobbygärtnern in den Fingern. Für viele Gartenarbeiten ist es allerdings noch zu früh. Nicht zu früh ist es jedoch, um Gemüse, Kräuter und Blumen vorzuziehen. myHOMEBOOK erklärt, warum sich die Anzucht auf Fensterbank und Mini-Gewächshaus lohnt und wie sie gelingt.

Auf vielen Fensterbänken sind sie in diesen Wochen zu finden: Anzuchtstöpfchen in sämtlichen Variationen. Wer nicht auf den Frühling warten möchte oder seine eigenen Jungpflanzen ziehen möchte, kann bereits ab Ende Februar mit dem Vorziehen von Gemüse, Kräutern und Blumen starten.

Lohnt es sich Gemüse, Blumen und Kräutern vorzuziehen?

„Eine frühe Aussaat in der Wohnung kann einen enormen Zeit- und Erntevorsprung bedeuten. Würden die Samen erst Mitte Mai nach den Eisheiligen und der Wahrscheinlichkeit für Fröste in die Erde kommen, würden sich die ersten Ernten entsprechend nach hinten verschieben“, gibt Sandra von Rekowski, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde e. V., auf Nachfrage von myHOMEBOOK zu bedenken. Im Besonderen gilt dies für wärmeliebende Pflanzen. Diese benötigen mitunter etwas mehr Zeit, um zu keimen und zu kräftigen Jungpflanzen heranzuwachsen.

Pflanzen selbst vorzuziehen hat jedoch noch weitere Vorteile. So lohnt sich insbesondere das Ziehen von besonderen Sorten oder besonders seltenen und vom Aussterben bedrohten Sorten. Diese gibt es als fertige Jungpflanzen selten im gängigen Gartenmarkt zu kaufen.

Doch nicht nur wer gern gärtnert, kann seiner Leidenschaft durch das Vorziehen von Pflanzen bereits ab dem Frühjahr frönen. Auch finanziell lohnt sich die Mühe Pflanzen vorzuziehen. Gekaufte Jungpflanzen sind nämlich um einiges teurer als selbst gezogene Pflänzchen von der Fensterbank.

Wichtig: Unterschätzen Sie keinesfalls den Platzbedarf, den das Vorziehen mit sich bringt! Jungpflanzen wachsen kräftig und beanspruchen alle einen hellen Platz am Fenster oder unter der Pflanzenlampe. Auf dem Fensterbrett kann es daher schnell zu eng werden.

Welche Pflanzen können vorgezogen werden?

Vor allem wärmeliebende Pflanzen sind ideale Kandidaten für die Anzucht auf dem Fensterbrett. Inspiration gefällig? Gut lassen sich beispielsweise folgende Gemüsepflanzen, Kräuter und Blumen vorziehen:

Gemüsepflanzen

  • Tomaten
  • Peperoni
  • Chili
  • Paprika
  • Aubergine
  • Physalis
  • Zucchini
  • Gurken

Tipp: Auch Kartoffeln können in der Wohnung vorgekeimt werden.

Kräuter

  • Salbei
  • Rosmarin
  • Oregano
  • Minze
  • Estragon
  • mehrjähriges Bohnenkraut
  • Thymian

Blumen

  • Cosmeen
  • Levkojen
  • Nelken
  • Studentenblume
  • Prachtwinde
  • Mädchenauge
  • Zinnien
  • Löwenmäulchen
  • Bartnelke
  • Männertreu
In speziellen Anzuchsgefäßen lassen sich Pflanzen sehr gut vorziehenFoto: Getty Images

Welche Pflanzen sind nicht zur Anzucht auf dem Fensterbrett geeignet?

Nicht alle Pflanzen sind für das Vorziehen auf der Fensterbank geeignet. Folgende Kulturen sollten daher lieber direkt ins Beet gesät werden:

  • Möhren
  • Mangold
  • Radieschen
  • Rote Beete
  • Bohnen
  • Erbsen
  • Salate
  • Kohl

Auch Kräuter, wie Schnittlauch, Petersilie, Dill und Koriander gedeihen im Freien besser. Diese Kräuter keimen und wachsen relativ schnell. Eine Anzucht auf der Fensterbank ist also unnötig. Wer jedoch Freude daran hat, den Pflänzchen beim Wachsen zuzusehen, kann natürlich auch solche Kulturen vorziehen. Vor allem für Kinder ist es sehr faszinierend das Wachstum mitzuverfolgen. Wer Salat oder Radieschen daher vorziehen mag, sollte sie aber sehr zeitig – am besten ein bis zwei Wochen später – nach draußen pflanzen.

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Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Pflanzen vorzuziehen?

Die Devise: „Je zeitiger, desto besser“, gilt beim Vorziehen nicht. Im Gegenteil: „Pflanzen sehr zeitig vorzuziehen, macht nur begrenzt Sinn. Um die Keimung in Gang zu bringen, ist das Vorziehen drinnen ideal. Allerdings benötigen Gemüsepflanzen volles Licht, um optimal wachsen zu können. In Innenräumen hat man dies aber nicht“, erläutert Gärtner Olaf Beier von der Landgärterei Beier im Gespräch mit myHOMEBOOK. Die Folge: Werden Pflanzen zu früh drinnen ausgesät, schießen sie schnell in die Höhe. Experten sprechen hier vom Vergeilen. Die sich aus den Keimblättern entwickelnden Laubblätter werden lang und weich – und damit leider sehr anfällig für Läuse, Schimmel und Umwelteinflüsse.

Empfehlenswert ist es daher die Kulturen erst einige Wochen vor dem Rauspflanzen vorzuziehen. Die meisten Pflanzen können unproblematisch ab März vorgezogen werden. Ein Blick auf die jeweilige Saatgutpackung verrät den empfohlenen Zeitraum für die Aussaat in Haus und Freiland.

  • Chili, Paprika, Physalis, Peperoni und Aubergine haben eine vergleichsweise lange Keimdauer. Idealerweise sollten sie daher ab Mitte/Ende Februar ausgesät werden. Bei Auberginen kann es gern bis zu zwei Wochen dauern, bis die ersten Keimblätter zu sehen sind.
  • Der Klassiker im Gemüsebeet, die Tomate, sollte erst ab Mitte/Ende März/Anfang April gesät werden, wenn die Tage länger geworden sind. Tomaten benötigen viel Licht zum Wachsen. Bei zu geringer Lichtzufuhr neigen sie zum Vergeilen und der Haupttrieb kann lang und sparrig werden. Olaf Beier empfiehlt Tomaten am besten erst vier Wochen vor dem Rauspflanzen vorzuziehen.
  • Bei Zucchini, Kürbis und Co. genügt es die Samen Anfang/Mitte April zu säen. Die Pflanzen keimen und wachsen schnell. Daher könnten sie schnell zu groß für die Fensterbank werden.
In zwei Eierschalen mit Anzuchtserde werden Pflanzen vorgezogen
Leere Eierschalen sind eine nachhaltige Alternative zu Anzuchtsgefäßen aus PlastikFoto: Getty Images

Pflanzen vorziehen: So funktioniert´s

„Pflanzen-Babys verzeihen keine Fehler!“, mahnt Gärtner Olaf Beier. Damit Pflanzen optimal wachsen können, seien Temperatur-, Licht-, Wasser- und Nährstoffverhältnisse sowie die Luftfeuchtigkeit entscheidend. Beim Vorziehen spielen vor allem Temperatur und Licht eine große Rolle. Und so können Pflanzen vorgezogen werden:

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Reinigung

Säubern Sie vor der Aussaat Töpfchen, Anzuchtschalen und Geräte. Diese sollten absolut sauber und keimfrei sein.

Anzuchtgefäße

Gefäße zur Anzucht gibt es in verschiedensten Ausführungen. Ob kleine Anzuchttöpfchen aus Pappe, selbst gebaute aus Zeitungspapier oder spezielle Quelltöpfe: Wichtig ist, dass Löcher im Boden vorhanden sind, sodass überschüssiges Wasser ablaufen und stehende Nässe vermieden werden kann. Andernfalls droht Schimmel.

Anzuchterde

Diese Erde ist ideal zur Anzucht. Im Gegensatz zu herkömmlicher Blumenerde ist sie feinkrümelig und nährstoffarm. Das ist wichtig, da junge Wurzeln empfindlich auf zu stark gedüngte Substrate reagieren und verbrennen würden. Die Anzuchterde vor dem Säen unbedingt schwemmen. Das überschüssige Wasser ablaufen lassen.

Tiefe

Eine alte Gärtnerweisheit besagt, dass große Samen, zum Beispiel von Zucchini und Kürbis, tiefer in die Erde kommen als kleine Samen, wie beispielsweise von Tomate und Paprika. Darüber sollte sich aber vorab belesen werden. Auch auf den Saatgutverpackungen gibt es hierzu nähere Informationen.

Licht- und Dunkelkeimer

Vor der Aussaat ist ebenso zu klären, ob es sich um Licht- oder Dunkelkeimer handelt.

Standort

Zum Vorziehen von Pflanzen ist ein heller Standort, am besten am Fenster oder unter einer Pflanzenlampe, ideal. Eine Pflanzenlampe hat den Vorteil, dass die jungen Pflanzen immer genauso viel Licht bekommen, wie sie benötigen – unabhängig davon, ob es sonnig oder bewölkt ist. Zugluft sollte unbedingt vermieden werden. Regelmäßiges Lüften ist empfehlenswert.

Feuchtigkeit

Zu Beginn sollte die Aussaat regelmäßig gegossen werden. Die Erde darf keinesfalls austrocknen, da sonst bereits gekeimte Pflanzen absterben. Haben die Pflanzen eine gewisse Größe erreicht, kann das Gießen etwas reduziert werden. Auf diese Weise werden sie angeregt kräftige Wurzeln zu bilden.

Pikieren

Sind die Pflanzen so groß geworden, dass sie sich berühren, ist es an der Zeit sie zu vereinzeln. Der Fachmann spricht hier vom Pikieren. Hilfreich können Pikierstäbe sein, mit denen sich die Pflanzen schadlos vereinzeln lassen. Die Pflanzen können dann in torffreies Substrat und größere Gefäße gepflanzt werden und weiter wachsen, bis sie ins Beet gepflanzt werden.

Als Anzuchtgefäße eignen sich auch Eierverpackungen
Als Anzuchtgefäße eignen sich auch EierverpackungenFoto: Getty Images

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Auf der Fensterbank oder lieber im Mini-Gewächshaus vorziehen?

„Ein Mini-Gewächshaus ist nicht notwendig, wenn der Standort auf der Fensterbank relativ warm ist“, weiß Sandra von Rekowski. Ist der Standort jedoch eher kühl, rät die Garten-Expertin zum Mini-Gewächshaus. Dieses könne für ein paar Grad mehr Wärme und eine höhere Luftfeuchtigkeit sorgen. Diese Faktoren regen das Pflanzenwachstum positiv an.

Der Nachteil eines solchen Mini-Gewächshäuschens: „Die Pflanzen werden in einem Gewächshaus auf der Fensterbank durch die vorherrschenden Bedingungen so sehr ´verwöhnt´, dass man sie später abhärten muss, beispielsweise durch regelmäßiges Lüften.“ Auch für Gärtnermeister Beier haben Mini-Gewächshäuser mit Haube durchaus Vorteile. Jedoch gibt er zu bedenken, dass sobald die Pflanzen größer werden, die Abdeckung immer wieder entfernt werden müsse, damit die Feuchtigkeit abziehen könne. Andernfalls droht Schimmel.

Ab wann können vorgezogene Pflanzen ins Beet gepflanzt werden?

Während beim Vorziehen die Devise „Je eher, desto besser“ nicht galt, trifft sie beim Auspflanzen der vorgezogenen Pflänzchen durchaus zu. Ab schätzungsweise Mitte April könnten laut Garten-Experte Beier die Gewächse von der Fensterbank ins Beet wechseln. Nicht zu unterschätzen sei jedoch bis Mitte Mai die Nachtfrostgefahr. Wer sichergehen will, sollte daher lieber die Eisheiligen Mitte Mai abwarten. Eine gute Investition ist in jedem Falle ein Frostschutzvlies. Es schützt die Jungpflanzen vor Nachtfrost und – sofern es über die Pflanzen gespannt wird – sogar vor Hagel und starken Niederschlag.

Empfehlenswert ist es ebenso die jungen Pflänzchen langsam an ihre neue Freilandumgebung zu gewöhnen. Ein plötzlicher Wechsel von Temperatur-, Erd-, Licht- und Umwelteinflüssen würde die Keimlinge nachhaltig schädigen.